VON MARTINA HAAS - FLZ
Sterben ist zunächst einmal eine ganz natürliche Sache. Was danach passiert, hinter lässt trotzdem einen CO²-Fußabdruck. Um diesen möglichst klein zu halten, engagiert sich die Sargfabrik Hans Wendel & Co. GmbH in vielfältiger Weise. So erfolgreich, dass sich das Unternehmen jetzt erste und einzige CO²-neutrale Sargfabrik Deutschlands" nennen kann.
Wer sich dem Firmengelände im Dinkelsbühler Stadtteil Botzenweiler nähert, wird von einer Alpaka-Herde begrüßt, die auf der Wiese zwischen dem Verwaltungsgebäude und der Staatsstraße nach Wassertrüdingen friedlich in der Sonne grast.
„Produziert werden in der Fabrik in Botzenweiler ausschließlich CO²-neutrale Särge", Särge", freuen sich Geschäftsleiter Alexander Wendel und Jörg Reuter, Verkaufsleiter und Assistent der Geschäftsleitung. Um dieses Ergebnis zu erreichen, ist der Sargfabrik ein eigenes Sägewerk an-geschlossen. So kann sichergestellt werden, dass vom Rundholz bis zum fertigen Produkt die Umweltbilanz stimmt.
Auch soziale Aspekte finden Eingang
In der wird ergründet, welche Kohlendioxid-Ausstöße es gibt, wie diese kompensiert werden können oder wo der Strom herkommt. Auch soziale Aspekte finden in die Bilanz Eingang. So waren innerbetriebliche Maßnahmen notwendig, erklärt Jörg Reuter. Maschinen wurden ausgetauscht, Photovoltaik-Anlagen errichtet und auch die Emissionen der Mitarbeitenden und Zulieferer wurden unter die Lupe genommen.
Unter dem Strich sei so deutlich geworden, welche CO2-Emissionen vermeidbar sind und welche nicht. "Die unvermeidbaren Ausstöße müssen ausgeglichen werden", erläutert Firmenchef Wendel. Eigentlich wollte sein Unternehmen da mit der Stadt Dinkelsbühl zusammenarbeiten, beispielsweise für Projekte im Stadtwald, doch das habe sich zerschlagen. So müssten nun Zertifikate auf dem freien Markt gekauft werden, für Wendel nur die zweitbeste Lösung.
Das sei aber nur der erste Schritt zum klimaneutralen Sarg gewesen, fährt Jörg Reuter fort. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten auch die Zulieferer unter die Lupe genommen werden, die nicht klimaneutral sei en. Verarbeitet werden in der Sargfabrik in Botzenweiler rund 4000 Festmeter Holz aus regionaler Forstwirtschaft, das aus einem Umkreis von 30 Kilometern ins Sägewerk transportiert wird.
Die Sargfabrik Wendel ist eine der letzten in Deutschland und entwickelt sich den Trend, erklärt Inhaber Wendel. Klimaneutralität sei mittlerweile auch in seinem Segment eine wichtige Komponente. Deshalb sei es ihm wichtig, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten und nachhaltige Praktiken in der Bestattungsbranche zu fördern. Darüber hinaus sei das Unternehmen stolz darauf, im Umweltpakt Bayern zertifiziert zu sein.
"Auch bei ihrer eigenen Bestattung wünschen sich viele Menschen heute eine umweltverträgliche Lösung", ergänzt Reuter. Welche Möglichkeiten es da gibt, werde auch an gehendenden Bestatterinnen und Bestattern gezeigt, die regelmäßig zu Betriebsbesichtigungen nach Botzenweiler kommen. Das fängt beim Sarg aus regionalem Holz an und hört bei der Innenausstattung mit natürlichen Textilien auf.
"Wenn man den Weg der Klimaneutralität geht, muss man ihn konsequent gehen und Punkt für Punkt umsetzen", sagt Alexander Wendel mit Überzeugung. Jörg Reuter, einer der 50 Mitarbeitenden im Familienbetrieb, ergänzt: „Das geht nur, wenn der Chef dahinter steht."
Deshalb geht das Projekt rund um die Sargfabrik in Botzenweiler weiter: Im kommenden Jahr sollen Unternehmensbienen auf dem Gelände heimisch werden. Schwalben nisten schon lange und auch Fledermausbehausungen gibt es. Die Alpakas sind also auf dem großen Gelände nicht die einzigen tierischen Bewohner.
Rund 20.000 Särge werden in der Sargfabrik jährlich klimaneutral produziert.
